Backup & Restore
Bareos
Bareos ist eine quelloffene, netzwerkbasierte Enterprise-Backup-Software (AGPLv3) aus Deutschland, ein Bacula-Fork mit besonderer Stärke beim Tape-Backup.
- Open Source (AGPLv3)
- Deutscher Anbieter (Köln)
- Starke Tape-/Autochanger-Unterstützung
- Director, Storage Daemon, File Daemon
- Clientseitige Verschlüsselung
Bareos (Backup Archiving Recovery Open Sourced) ist eine quelloffene, netzwerkbasierte Backup-Software der Enterprise-Klasse, 2010 als Fork von Bacula entstanden und von der Bareos GmbH & Co. KG aus Köln entwickelt. Sie steht vollständig unter AGPLv3, ohne verdeckte Open-Core-Anteile, und ist besonders stark dort, wo es um Tape-Backup und hohe Flexibilität geht.
Dieser Artikel erklärt die fünf Kernkomponenten (Director, Storage Daemon, File Daemon, Catalog, Konsole), die Backup-Level und das Always-Incremental-Schema, die textbasierte Konfiguration und das WebUI, die Tape- und NDMP-Unterstützung, die Plugins, die Verschlüsselung sowie das Subscription-Modell. Eine Einordnung gegenüber dem deutschen Mitbewerber SEP sesam gehört dazu.
1. Die fünf Kernkomponenten
Bareos folgt der bewährten Bacula-Architektur aus mehreren Daemons:
- Director (bareos-dir) zentrale Steuerung; plant und überwacht alle Backup-, Restore- und Verify-Jobs.
- Storage Daemon (bareos-sd) nimmt Daten entgegen und schreibt sie auf Disk, Tape oder Cloud.
- File Daemon (bareos-fd) der Client auf dem Zielsystem; liest und sendet die zu sichernden Daten.
- Catalog (PostgreSQL) Datenbank mit Dateiindex und Job-Historie; seit Bareos 21 ausschließlich PostgreSQL.
- bconsole / WebUI Kommandozeile zur Steuerung des Directors sowie eine optionale Weboberfläche.
2. Backup-Level und Always Incremental
Bareos kennt die klassischen Level Full, Differential und Incremental. Das Always-Incremental-Schema verzichtet auf regelmäßige Vollbackups: Täglich läuft nur ein Incremental, ein zweiter Schritt konsolidiert ältere Inkremente automatisch. So bleibt die über das Netz übertragene Datenmenge minimal, ohne dass die Restore-Kette ins Unendliche wächst.
3. Textbasierte Konfiguration
Bareos wird vollständig über Textdateien konfiguriert, in klar getrennten Ressourcen: Job und JobDefs (was, wann, wie), FileSet (welche Daten), Schedule (Zeitplan), Pool und Volume (Medienverwaltung), Client und Storage. Das ist mächtig und versionierbar, hat aber eine spürbare Lernkurve. Das Bareos WebUI ergänzt eine grafische Sicht auf Jobs, Pools und Volumes mit rollenbasierten Zugriffen.
Der Catalog will gepflegt sein
Die PostgreSQL-Catalog-Datenbank hält den Dateiindex und die Job-Historie. Sie muss selbst gesichert und durch regelmäßige Pruning-Jobs gepflegt werden. Geht der Catalog ohne eigenes Backup verloren, wird die Wiederherstellung aus vorhandenen Volumes deutlich aufwendiger, weil der Index fehlt.
4. Tape, NDMP und Plugins
Die Tape-Unterstützung ist eine der größten Stärken: physische Bandlaufwerke und Autochanger mit Barcode-Handling, geerbt und gepflegt aus der Bacula-Linie. Bareos zählt damit zu den wenigen Open-Source-Lösungen mit ausgereiftem Tape-Betrieb. Über NDMP sichert es NAS-Systeme (NetApp, Isilon, ZFS-Appliances). Plugins erweitern es um Datenbank- (PostgreSQL, MySQL/MariaDB, MS SQL) und Virtualisierungs-Backups; Plugins für VMware, Hyper-V und Proxmox erlauben bildbasierte VM-Sicherung, kamen aber teils erst in jüngeren Versionen hinzu.
5. Verschlüsselung und Subscription
Die Netzwerkkommunikation ist seit Version 18.2 standardmäßig per TLS (TLS-PSK) verschlüsselt. Optional verschlüsselt der File Daemon clientseitig die Daten, bevor sie den Client verlassen (standardmäßig AES-128-CBC, bis AES-256 konfigurierbar, mit RSA-geschützten Session-Keys); Director und Storage Daemon sehen dann nie Klartext. Ein offline verwahrter Master-Key ermöglicht Recovery bei Schlüsselverlust. Lizenzseitig ist der Kern AGPLv3 und frei; Subscription-Repos liefern vorgefertigte Plugin-Pakete, mehrere gepflegte Versionen und Professional Support, derselbe Quellcode bleibt offen auf GitHub.
6. Stärken und Grenzen
| Stärken | Grenzen |
|---|---|
| Vollständig AGPLv3, kein Open Core, deutscher Anbieter | Steile Lernkurve durch textbasierte Konfiguration |
| Ausgereiftes Tape-/Autochanger-Backup | PostgreSQL-Catalog muss gepflegt und gesichert werden |
| Sehr flexibel über OS, Storage-Ziel und Schema | Image-basiertes VM-Backup nur über Plugins |
| Clientseitige Ende-zu-Ende-Verschlüsselung möglich | Plugin-Binärpakete erst mit Subscription |
| NDMP für NAS, Always-Incremental-Schema | Migration von Bacula möglich, aber nicht trivial |
Häufige Fragen zu Bareos
Ja. Der vollständige Quellcode steht unter AGPLv3 auf GitHub, es gibt keine verdeckten Open-Core-Komponenten. Kostenpflichtig sind nur die Subscription-Repos mit vorkompilierten Plugin-Paketen, mehreren gepflegten Versionen und Professional Support, nicht der Funktionsumfang selbst.
Über Plugins ja, etwa für VMware, Hyper-V und Proxmox. Der Ansatz unterscheidet sich aber: Bareos ist im Kern dateibasiert und integriert image-basiertes VM-Backup über Plugins, während Veeam die native Hypervisor-Integration in den Mittelpunkt stellt. Für Tape-lastige, quelloffene Umgebungen ist Bareos dafür besonders stark.
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