Storage-Netzwerke

FCoE

FCoE (Fibre Channel over Ethernet) kapselt FC-Frames in Ethernet, um SAN und LAN konvergent zu führen; es setzt verlustarmes Ethernet (DCB) voraus.

  • Fibre Channel in Ethernet
  • Konvergente Adapter (CNA)
  • Setzt DCB voraus
  • INCITS T11 (FC-BB-5/6)
  • Rückläufig am Markt
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 9 Min. Lesezeit

FCoE (Fibre Channel over Ethernet) verfolgt eine naheliegende Idee: Statt ein separates Fibre-Channel-Netz und ein Ethernet-LAN parallel zu betreiben, kapselt FCoE die Fibre-Channel-Frames in Ethernet und führt beide Verkehrsarten über eine konvergente Infrastruktur. Die FC-Frames bleiben dabei unverändert, alle FC-Dienste laufen weiter.

Dieser Artikel erklärt die Kapselung und ihre EtherTypes, die zwingende Voraussetzung eines verlustarmen Ethernets (DCB), die Rollen von konvergentem Adapter (CNA) und FCoE-Switch (FCF), das Initialisierungsprotokoll FIP, die übliche Single-Hop-Topologie sowie die ehrliche Einordnung, warum FCoE sich nicht durchgesetzt hat.

1. FC-Frames in Ethernet

FCoE nimmt einen vollständigen Fibre-Channel-Frame und packt ihn in einen Ethernet-Frame, ohne IP und ohne TCP. Es ist also ein reines Layer-2-Verfahren mit eigenen EtherTypes: 0x8906 für die FCoE-Daten und 0x8914 für das Steuerprotokoll FIP. Weil kein IP im Spiel ist, ist FCoE nicht routbar und auf ein Layer-2-Segment beschränkt.

2. Voraussetzung: verlustarmes Ethernet

Fibre Channel verträgt keinen Paketverlust, normales Ethernet darf aber verwerfen. FCoE setzt deshalb zwingend verlustarmes Ethernet über Data Center Bridging voraus (eigener Artikel): Priority Flow Control hält die FCoE-Verkehrsklasse verlustarm, ETS sichert ihr Bandbreite, DCBX stimmt die Parameter ab. Jeder Switch auf dem FCoE-Pfad muss DCB beherrschen; ein gewöhnlicher Switch ohne DCB kann FCoE nicht verlustarm tragen.

3. CNA, FCF und FIP

Am Server steckt ein Converged Network Adapter (CNA), der LAN-NIC und FC-HBA in einer Karte vereint und dem System sowohl eine Ethernet-Schnittstelle als auch virtuelle FC-Ports zeigt. Im Netz übernimmt ein FCoE Forwarder (FCF), ein Switch mit FC-Fabric-Diensten (Zoning, Name Server), die Kapselung und Entkapselung zum nativen FC. Das FCoE Initialization Protocol (FIP, EtherType 0x8914) erledigt vorab Discovery und Login und baut die virtuellen FC-Ports auf; es läuft getrennt vom eigentlichen Datenpfad.

4. MTU: das Baby-Jumbo-Thema

Ein FC-Frame trägt bis zu 2112 Byte Nutzlast. Mit FC- und Ethernet-Headern wächst der gekapselte Frame auf mindestens rund 2180, in der Praxis oft 2240 Byte. Die Standard-Ethernet-MTU von 1500 Byte reicht also nicht; FCoE-Pfade brauchen eine erhöhte MTU (oft als „Baby Jumbo“ bezeichnet, in der Praxis werden auch echte Jumbo Frames genutzt). Wie bei DCB gilt: Die MTU muss auf jedem Hop konsistent sein, sonst entstehen schwer auffindbare Frame-Verluste.

5. In der Praxis: Single-Hop

Durchgesetzt hat sich FCoE fast ausschließlich als Single-Hop-Lösung: Der Server spricht per FCoE mit dem Top-of-Rack-Switch (dem FCF), der dann über native Fibre-Channel-Uplinks ans bestehende SAN angebunden ist. FCoE läuft also nur auf der letzten Strecke, das SAN-Backbone bleibt natives FC. Prominentes Beispiel sind Blade-Systeme, deren Fabric-Interconnects FCoE intern nutzen und nach außen wie natives FC wirken. Ende-zu-Ende-FCoE über die ganze Fabric wurde zwar standardisiert, aber kaum eingesetzt.

6. Warum FCoE sich nicht durchgesetzt hat

Die versprochene Konvergenz brachte in der Praxis selten echte Einsparungen: FCoE-fähige Switches und CNAs waren teuer, und die DCB-Anforderung band an spezielle Hardware. Hinzu kam, dass die Betriebskulturen von LAN (verlusttolerant, IP) und SAN (verlustempfindlich, SCSI) sich schwer zusammenführen ließen. Heute dominieren für Block-Speicher klassisches Fibre Channel (für Bestand und höchste Ansprüche), iSCSI und vor allem NVMe/TCP, das ohne DCB auf Standard-Ethernet läuft. FCoE ist entsprechend rückläufig.

FCoE war technisch sauber, aber wirtschaftlich selten überlegen. Für neue Umgebungen ist es kaum noch die Antwort; dort gewinnen DCB-freie Ethernet-Wege wie NVMe/TCP.

7. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Weniger Adapter und Kabel am Server (ein CNA)nicht routbar (reines Layer 2)
FC-Frames unverändert, FC-Dienste bleiben erhaltensetzt durchgängig DCB-fähige Switches voraus (oft Vendor-Bindung)
Bestehendes FC-SAN muss nicht umgebaut werdenMTU-Konsistenz auf jedem Hop nötig
Herstellerneutral standardisiert (INCITS T11)keine inhärente Verschlüsselung
Bewährt in Single-Hop-/Blade-SzenarienMarkt rückläufig; bei Neubauten meist FC, iSCSI oder NVMe/TCP

Häufige Fragen zu FCoE

Selten. FCoE hat sich nie breit durchgesetzt und ist rückläufig, weil die Konvergenz selten echte Kosteneinsparungen brachte und teure, DCB-fähige Hardware verlangt. Für neue Block-Storage-Umgebungen sind klassisches Fibre Channel, iSCSI oder vor allem NVMe/TCP, das ohne verlustarmes Netz auf Standard-Ethernet läuft, meist die bessere Wahl.

Weil Fibre Channel keinen Paketverlust toleriert, normales Ethernet aber bei Überlast Frames verwirft. FCoE setzt deshalb Data Center Bridging voraus: Priority Flow Control hält die FCoE-Verkehrsklasse verlustarm. Ein gewöhnlicher Switch ohne DCB kann FCoE-Verkehr nicht zuverlässig tragen, und jeder Hop im Pfad muss DCB beherrschen.

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