Netzwerk & WAN
GRE
GRE (Generic Routing Encapsulation) ist ein einfaches Tunnel-Protokoll, das beliebige Pakete in IP verpackt und so eine Punkt-zu-Punkt-Strecke schafft.
- Generische Kapselung (Proto 47)
- Multicast & dynamisches Routing
- Ohne IPsec unverschlüsselt
- Rund 24 Byte Overhead
- Punkt-zu-Punkt-Tunnel
GRE (Generic Routing Encapsulation, RFC 2784) ist eine generische Tunnel-Kapselung: Sie packt ein beliebiges Netzwerkprotokoll in ein IP-Paket und transportiert es als Punkt-zu-Punkt-Tunnel über ein dazwischenliegendes IP-Netz. GRE nutzt IP-Protokollnummer 47 und ist bewusst schlank.
Dieser Artikel erklärt, was GRE kann (und was IPsec allein nicht kann), den Header und Overhead samt MTU-Folgen, die übliche Kombination GRE-over-IPsec, warum GRE selbst nichts verschlüsselt, die Fallstricke Keepalive und Recursive Routing sowie die Abgrenzung zur Mehrpunkt-Variante mGRE.
1. Was GRE kann, was IPsec allein nicht
Reines IPsec im Tunnel-Modus transportiert nur Unicast. Routing-Protokolle wie OSPF oder EIGRP arbeiten aber mit Multicast, und auch andere Layer-3-Protokolle sollen manchmal mit. Genau hier kommt GRE ins Spiel: Es kapselt Multicast und beliebige L3-Nutzlasten und macht so dynamisches Routing über einen Tunnel überhaupt möglich.
Daraus folgt das verbreitete Muster GRE-over-IPsec: GRE übernimmt Kapselung und Routing-Fähigkeit, IPsec liefert die Verschlüsselung. Beides zusammen ergibt einen routbaren, verschlüsselten Tunnel.
2. Header, Overhead und MTU
Der GRE-Header ist minimal 4 Byte groß; mit dem äußeren IPv4-Header ergeben sich rund 24 Byte Overhead pro Paket (optionale Key-/Sequence-Felder nach RFC 2890 erhöhen das). Bei 1500 Byte Außen-MTU bleibt eine Tunnel-MTU von etwa 1476 Byte. Da GRE selbst keine Path-MTU-Discovery erzwingt, ist MSS-Clamping (typisch 1436) die robuste Lösung gegen still verworfene große Pakete.
Cisco IOS: GRE-Tunnel mit MTU/MSS und Keepalive
interface Tunnel0
ip address 10.0.0.1 255.255.255.252
ip mtu 1476
ip tcp adjust-mss 1436
tunnel source GigabitEthernet0/0
tunnel destination 203.0.113.2
keepalive 10 3 3. GRE schützt nichts: Verschlüsselung über IPsec
GRE transportiert seine Nutzlast im Klartext. Es bietet weder Verschlüsselung noch Authentifizierung; der optionale GRE-Key ist ausdrücklich kein Sicherheitsmerkmal (RFC 2890), sondern dient nur der Flow-Unterscheidung. Über das öffentliche Internet ist ein nacktes GRE daher unsicher.
Über das Internet immer mit IPsec
Wo Vertraulichkeit zählt, gehört GRE mit IPsec kombiniert (GRE-over-IPsec). Wird kein Multicast und kein dynamisches Routing über den Tunnel gebraucht, ist unter Linux route-based IPsec (VTI- bzw. XFRM-Interface, etwa mit strongSwan) die schlankere Alternative ganz ohne GRE-Header. In rein internen, physisch kontrollierten Netzen kann GRE auch ohne IPsec vertretbar sein; im WAN nicht.
4. Keepalive und Recursive Routing
GRE ist von Haus aus zustandslos: Ein Tunnel-Interface bleibt oben, auch wenn die Gegenstelle weg ist. Ein GRE-Keepalive erkennt das und legt das Interface bei Ausfall down. Eine klassische Falle ist Recursive Routing: Wird die Tunnel-Zieladresse plötzlich über den Tunnel selbst geroutet, entsteht eine Schleife, und das Interface flappt (auf Cisco die Meldung %TUN-5-RECURDOWN).
Recursive Routing vermeidet man, indem das Tunnel-Ziel nie über den Tunnel erreichbar ist: eine spezifische statische Host-Route (/32) für die Tunnel-Zieladresse über das physische Interface, und die Tunnel-Endpunkt-Adressen nicht durch den Tunnel ankündigen. In größeren Designs trennt man Underlay- und Overlay-Routing.
5. Abgrenzung zu mGRE
Klassisches GRE ist Punkt-zu-Punkt: Jede Gegenstelle braucht ein eigenes Tunnel-Interface mit fester Zieladresse. Sollen viele Standorte über eine Schnittstelle bedient werden, kommt die Mehrpunkt-Variante mGRE zum Einsatz, die wiederum die Basis für DMVPN bildet. Beides ist als eigenes Thema beschrieben.
6. Stärken und Grenzen
| Stärken | Grenzen |
|---|---|
| Transportiert Multicast und beliebige L3-Protokolle (dynamisches Routing über Tunnel) | Keine Verschlüsselung und keine Authentifizierung von sich aus |
| Einfach und herstellerübergreifend verfügbar | Punkt-zu-Punkt: je Gegenstelle ein Interface (bei vielen Standorten unhandlich) |
| Geringer, kalkulierbarer Overhead (~24 Byte) | MTU-Overhead erfordert MSS-Clamping/PMTU-Behandlung |
| Ideale Ergänzung zu IPsec (GRE-over-IPsec) | Recursive-Routing-Falle bei unsauberem Routing |
| Basis für mGRE/DMVPN | GRE-Keepalive und IPsec-Tunnelschutz nicht in jeder Konstellation kombinierbar (z. B. VRF-aware auf Cisco) |
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