IT-Sicherheit

MFA

Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) verlangt zwei Faktoren aus verschiedenen Kategorien (Wissen, Besitz, Inhärenz); phishing-resistent sind v. a. FIDO2/WebAuthn.

  • Mehrere Faktoren, verschiedene Kategorien
  • Phishing-Resistenz entscheidet
  • TOTP, FIDO2/WebAuthn, Passkeys
  • AAL-Stufen (NIST 800-63B)
  • Am IdP erzwingen
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 10 Min. Lesezeit

MFA (Multi-Faktor-Authentifizierung) verlangt für die Anmeldung mindestens zwei voneinander unabhängige Faktoren aus verschiedenen Kategorien. Damit reicht ein gestohlenes Passwort allein nicht mehr aus. Entscheidend, aber oft übersehen: Nicht jede MFA schützt gleich gut, der wichtigste Unterschied ist die Phishing-Resistenz.

Dieser Artikel erklärt die Faktor-Kategorien, die Verfahren von TOTP über SMS bis FIDO2 und Passkeys, warum Phishing-Resistenz das zentrale Unterscheidungsmerkmal ist, die AAL-Stufen als Maß, die typischen Angriffe von MFA-Fatigue bis Adversary-in-the-Middle sowie das Erzwingen am Identity Provider und die Recovery-Frage.

1. Faktoren aus verschiedenen Kategorien

MFA kombiniert mindestens zwei Faktoren aus verschiedenen Kategorien: Wissen (Passwort, PIN), Besitz (Hardware-Token, Smartphone, Smartcard) und Inhärenz (Biometrie wie Fingerabdruck oder Gesicht). Genau die Verschiedenheit der Kategorien ist das Kriterium: Zwei Passwörter sind keine MFA. 2FA ist der Sonderfall mit genau zwei Faktoren; eine bloß mehrstufige Abfrage aus derselben Kategorie zählt nicht als echte MFA.

2. Die Verfahren

Die gängigen zweiten Faktoren unterscheiden sich erheblich in der Stärke:

  • TOTP zeitbasierte Einmalcodes aus einer Authenticator-App (RFC 6238); verbreitet, aber nicht phishing-resistent.
  • SMS-OTP Code per SMS; schwach wegen SIM-Swapping und Schwächen im Mobilfunk-Signalisierungsnetz (SS7).
  • Push-Bestätigung App-Benachrichtigung zum Bestätigen; anfällig für MFA-Fatigue (Prompt-Bombing).
  • Hardware-Token / FIDO2 Sicherheitsschlüssel (z. B. YubiKey); der private Schlüssel verlässt das Gerät nie.
  • Passkeys FIDO2-Credentials, geräteübergreifend synchronisierbar; phishing-resistent und komfortabel.

3. Phishing-Resistenz: der entscheidende Punkt

Der wichtigste Unterschied: FIDO2/WebAuthn (und damit Passkeys) sowie zertifikatsbasierte Verfahren (PKI, eigener Artikel) sind phishing-resistent, weil das Credential kryptografisch an die echte Domain (Origin) gebunden ist. Eine gefälschte Seite oder ein zwischengeschalteter Angreifer-Proxy bekommt schlicht keine gültige Antwort, der Schutz hängt nicht am Aufmerksamkeitsgrad des Nutzers. TOTP, SMS und Push sind dagegen nicht phishing-resistent: Der Code lässt sich abphishen und in Echtzeit weiterreichen.

Phishing-Resistenz ist eine Eigenschaft des Verfahrens, nicht der Wachsamkeit des Nutzers. Wer ernsthaft schützen will, setzt auf FIDO2/Passkeys, nicht auf SMS-Codes.

4. AAL-Stufen als Maß

Das NIST-Modell (SP 800-63B) ordnet die Stärke in Authenticator Assurance Levels ein: AAL1 (ein Faktor möglich), AAL2 (zwei Faktoren aus verschiedenen Kategorien; TOTP, Hardware-Token und Passkeys sind hier zulässig, Anbieter sollten zusätzlich mindestens eine phishing-resistente Option bereitstellen) und AAL3 (verlangt phishing-resistente, kryptografische Authentifizierung mit nicht-exportierbarem privatem Schlüssel, also Hardware-Token; synchronisierbare Passkeys sind auf AAL3 ausgeschlossen). Das gibt einen herstellerneutralen Rahmen, um Anforderungen zu beschreiben.

5. Angriffe und Gegenmittel

Drei Angriffsklassen sind zentral: MFA-Fatigue (Prompt-Bombing) flutet den Nutzer mit Push-Anfragen, bis er aus Versehen bestätigt, Gegenmittel ist Number-Matching oder besser FIDO2. SIM-Swapping und SS7-Angriffe fangen SMS-Codes ab, Gegenmittel ist der Verzicht auf SMS. Und Adversary-in-the-Middle (etwa mit Evilginx) schaltet eine Phishing-Seite dazwischen, die Codes in Echtzeit weiterreicht, hier hilft nur die Origin-Bindung von FIDO2/WebAuthn.

6. Am IdP erzwingen, Recovery absichern

MFA wird am besten zentral am Identity Provider erzwungen (Querverweis IAM/SSO), dann profitieren alle angebundenen Dienste, statt jede Anwendung einzeln abzusichern. Heikel ist die Wiederherstellung: Backup-Codes sind statisches Wissen und setzen den Schutz auf Single-Faktor-Niveau zurück, wenn sie schlecht verwahrt werden. Besser ist ein zweiter Hardware-Schlüssel als Ersatz. Für regulierte Einrichtungen verlangt NIS2 ohnehin Multi-Faktor- oder kontinuierliche Authentifizierung.

7. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Massive Risikoreduktion gegen Passwortdiebstahlnicht jede MFA ist gleich stark
FIDO2/Passkeys strukturell phishing-resistentSMS und einfache TOTP nicht phishing-resistent
Am IdP erzwingbar, schützt alle DienstePush anfällig für MFA-Fatigue
AAL-Stufen geben klaren AnforderungsrahmenRecovery kann Schutz auf Single-Faktor senken
Passkeys: phishing-resistent und komfortabelAAL3 schließt synchronisierbare Passkeys aus

Häufige Fragen zu MFA

SMS-Codes sind zwar besser als gar keine MFA, aber schwach: Per SIM-Swapping können Angreifer die Rufnummer auf eine eigene SIM übernehmen und erhalten dann alle Codes; zusätzlich erlauben Schwächen im Mobilfunk-Signalisierungsnetz (SS7) das Abfangen von SMS. Vor allem aber ist SMS nicht phishing-resistent: Eine gefälschte Seite oder ein zwischengeschalteter Angreifer kann den eingegebenen Code in Echtzeit weiterleiten. NIST stuft SMS-MFA als eingeschränkt ein; phishing-resistente Verfahren wie FIDO2/Passkeys sind vorzuziehen.

Phishing-resistent heißt, dass das Verfahren auch dann standhält, wenn der Nutzer auf eine gefälschte Seite hereinfällt. FIDO2/WebAuthn und Passkeys erreichen das durch kryptografische Origin-Bindung: Das Credential ist an die echte Domain gebunden und liefert einer Phishing-Seite oder einem zwischengeschalteten Angreifer keine verwertbare Antwort. Verfahren wie TOTP, SMS oder Push sind nicht phishing-resistent, weil sich der Code abfangen und weiterreichen lässt, der Schutz hängt dort am Verhalten des Nutzers.

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