Virtualisierung

OpenStack

OpenStack ist eine quelloffene Private-Cloud-Plattform (IaaS): viele Dienste bilden ein API-gesteuertes Rechenzentrums-OS für Compute, Storage und Netz.

  • Offene IaaS (Apache 2.0)
  • Self-Service und Mandanten
  • Modulare Kerndienste
  • KVM-Compute, Ceph-Storage
  • Zwei Releases pro Jahr
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 13 Min. Lesezeit

OpenStack ist eine quelloffene Plattform, die Rechenleistung, Speicher und Netzwerk eines Rechenzentrums zu einer privaten Cloud zusammenfasst. Man spricht von einem Cloud-Betriebssystem: Nicht ein einzelner Dienst, sondern ein Verbund locker gekoppelter Dienste, die jeweils eine REST-API anbieten und gemeinsam Self-Service, Mandantenfähigkeit und Automatisierung wie bei einer Public Cloud ermöglichen, nur im eigenen Haus.

Dieser Artikel erklärt die Kerndienste und ihr Zusammenspiel, den Weg einer neugestarteten Instanz durch die Dienste, das Networking mit Neutron und OVN, Ceph als einheitliches Storage-Backend, den Release-Takt mit SLURP, die Deployment-Methoden sowie die oft unterschätzte Betriebskomplexität, die man vor einer Entscheidung kennen sollte.

1. Cloud im eigenen Haus

OpenStack stellt die zentralen Cloud-Bausteine bereit: Nutzer und Projekte legen über APIs oder ein Web-Dashboard selbst virtuelle Maschinen, Netze, Volumes und Floating-IPs an, begrenzt durch Quotas und sauber zwischen Mandanten getrennt. Die Plattform ist herstellerneutral und vermeidet die Bindung an einen einzelnen Cloud-Anbieter.

Der Aufbau ist bewusst modular: Jeder Dienst erfüllt eine Aufgabe und kommuniziert über definierte APIs sowie intern über eine Nachrichtenwarteschlange und Datenbanken. Man installiert nur, was man braucht.

2. Die Kerndienste

Hinter den Codenamen stehen klar abgegrenzte Aufgaben:

DienstAufgabe
KeystoneIdentität: Authentifizierung, Autorisierung, Servicekatalog
NovaCompute: Lebenszyklus der VMs (meist über libvirt/KVM)
NeutronNetworking: virtuelle Netze, Router, Security Groups (SDN)
CinderBlock-Storage: persistente Volumes für Instanzen
GlanceImages: Verwaltung der VM-Abbilder
SwiftObjekt-Storage (oft durch Ceph RGW ersetzt)
Placementverfolgt verfügbare Ressourcen für das Scheduling
HorizonWeb-Dashboard; Skyline als modernes Pendant, oft parallel betrieben
Heat / Ironic / OctaviaOrchestrierung, Bare-Metal-Provisionierung, Load Balancing

3. Wie eine Instanz entsteht

Das Zusammenspiel zeigt sich beim Start einer VM: Der Nutzer authentifiziert sich an Keystone und erhält ein Token. Nova nimmt die Anfrage an, fragt Placement nach geeigneten Hosts, holt das Abbild von Glance, lässt sich von Neutron einen Port mit Netzanbindung geben und von Cinder bei Bedarf ein Volume. Auf dem gewählten Host startet Nova die VM schließlich über libvirt/KVM. Jeder Schritt läuft über eine eigene API, das macht OpenStack flexibel und zugleich vielteilig.

4. Networking mit Neutron und OVN

Neutron liefert das Software-Defined Networking: virtuelle Netze, Subnetze, Router, Security Groups und Floating-IPs. Sein Plugin-Rahmen (ML2) trennt die Netztypen (VLAN, VXLAN) von der Umsetzung. Modern und empfohlen ist das Backend OVN (Open Virtual Network): Es verteilt Routing und DHCP direkt auf die Compute-Knoten und ersetzt die früheren separaten Agenten. Ost-West-Verkehr zwischen VMs läuft so direkt, ohne Umweg über einen zentralen Knoten. Networking gilt erfahrungsgemäß als der anspruchsvollste Teil des Betriebs.

5. Ceph als Storage-Fundament

In den meisten produktiven Installationen ist Ceph das gemeinsame Storage-Backend für gleich drei Dienste: Cinder legt seine Volumes als RADOS Block Devices ab, Glance speichert dort die Images, und Nova nutzt Ceph für die flüchtigen Disks der VMs. Der Charme: Liegen Image und Volume im selben Ceph, entsteht eine neue VM-Disk per Copy-on-Write-Klon nahezu sofort, ohne physisches Kopieren. So entfallen getrennte SAN- und NAS-Silos.

6. Release-Takt und SLURP

OpenStack erscheint zweimal jährlich (April und Oktober) mit einem Jahr-Nummer-Schema und einem zusätzlichen Codenamen. Damit man nicht jedes halbe Jahr upgraden muss, gibt es SLURP (Skip Level Upgrade Release Process): Jedes zweite Release (derzeit die Frühjahrsversionen) ist ein SLURP-Release und lässt sich direkt vom vorigen SLURP-Release aktualisieren. So ist ein jährlicher Upgrade-Rhythmus möglich, indem man die Zwischenversion überspringt.

7. Deployment: nichts von Hand

Eine produktive OpenStack-Umgebung wird automatisiert ausgerollt, nicht manuell. Verbreitet sind Kolla-Ansible, das die Dienste als Container betreibt, und OpenStack-Ansible. Das frühere TripleO ist eingestellt. Daneben gibt es kommerzielle Distributionen mit langfristigem Support. In jedem Fall braucht eine ernsthafte Installation eine hochverfügbare Steuerebene aus mehreren Knoten.

8. Die Betriebskomplexität ehrlich benannt

OpenStack ist kein System, das man einmal aufsetzt und vergisst. Über ein Dutzend Dienste mit eigener Konfiguration, Datenbank und Logs, eine Nachrichtenwarteschlange als zentrale Drehscheibe, koordinierte Upgrades und ein anspruchsvolles Networking ergeben einen erheblichen Betriebsaufwand. Der Lohn ist volle Cloud-Funktionalität und API-Kontrolle ohne Anbieterbindung.

OpenStack lohnt sich, wenn man wirklich eine Cloud braucht (Self-Service, Mandanten, Automatisierung) und das Know-how mitbringt. Für reine Servervirtualisierung ist es überdimensioniert; dort sind Proxmox VE oder OLVM die ehrlichere Wahl.

9. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Volle Cloud-Funktionalität im eigenen Haus, keine AnbieterbindungHohe Einrichtungs- und Betriebskomplexität
Komplette API-Kontrolle über alle RessourcenBraucht dediziertes Know-how und HA-Steuerebene
Modular: nur benötigte Dienste betreibenNetworking (Neutron/OVN) ist anspruchsvoll im Betrieb
Ceph als einheitlicher Storage statt getrennter SilosFür kleine Umgebungen überdimensioniert
SLURP ermöglicht jährliche statt halbjährliche UpgradesSkyline-Dashboard löst Horizon erst schrittweise ab (oft parallel)

Häufige Fragen zu OpenStack

Meist nicht. OpenStack entfaltet seinen Wert bei echtem Cloud-Bedarf: Self-Service, viele Mandanten, durchgehende API-Automatisierung und entsprechendes Betriebs-Know-how. Für einige Server oder klassische Virtualisierung ist der Betriebsaufwand zu hoch; dort sind Proxmox VE oder OLVM die passendere und schlankere Lösung.

Ceph ist in den meisten produktiven Installationen das gemeinsame Storage-Backend für Cinder (Block-Volumes), Glance (Images) und Nova (flüchtige VM-Disks). Das vereinheitlicht die Speicherlandschaft und erlaubt schnelle Copy-on-Write-Klone neuer VM-Disks, statt Daten physisch zu kopieren.

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