IT-Sicherheit

PacketFence

PacketFence ist eine quelloffene NAC-Lösung (Network Access Control), die Netzwerkzugang über 802.1X, MAC-Authentifizierung und Captive Portal steuert.

  • Open-Source-NAC (GPLv2)
  • 802.1X, MAB, Captive Portal
  • Geräte-Profiling (Fingerbank)
  • dynamische VLANs, Isolation
  • 150+ Geräte-Familien
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 10 Min. Lesezeit

PacketFence ist eine quelloffene Network-Access-Control-Plattform (NAC). Sie kontrolliert, welche Geräte und Nutzer ins Netzwerk dürfen, kabelgebunden, im WLAN und über VPN, und setzt das über 802.1X, MAC-Authentifizierung, Geräteerkennung und ein Captive Portal durch.

Dieser Artikel erklärt die Kernfunktionen (Authentifizierung, Profiling, VLAN-Zuweisung, Gast/BYOD), die Architektur mit eingebettetem FreeRADIUS, die breite Switch- und WLAN-Unterstützung sowie die typischen Stolpersteine bei der Einführung.

1. Authentifizierung und Zugangskontrolle

PacketFence authentifiziert Geräte über 802.1X/EAP (mit eingebettetem FreeRADIUS) und für Geräte ohne 802.1X-Fähigkeit, etwa Drucker oder IoT, über MAC Authentication Bypass. Je nach Identität, Gerätetyp und Compliance-Status weist es dynamisch ein VLAN zu oder schiebt das Gerät in ein Isolations-/Remediation-Netz. Gast- und BYOD-Zugänge laufen über ein anpassbares Captive Portal mit Selbstregistrierung und Zertifikatsverteilung.

2. Geräteerkennung und Profiling

Über die Integration mit Fingerbank erkennt PacketFence Gerätetypen anhand von DHCP-Fingerprints, MAC-Hersteller und User-Agent. Das ist die Grundlage, um unbekannte oder nicht autorisierte Geräte automatisch zu isolieren und für IoT-Geräte passende Richtlinien zu setzen, ein Kernbaustein, um den Wildwuchs im Netz sichtbar und steuerbar zu machen.

NAC beginnt nicht beim Sperren, sondern beim Sehen: Erst wenn man weiß, welches Gerät an welchem Port hängt, lässt sich Zugang sinnvoll vergeben statt pauschal zu blockieren.

3. Architektur

PacketFence läuft auf Linux und besteht aus mehreren Komponenten: dem eingebetteten FreeRADIUS für die Authentifizierung, einer MariaDB (Galera-fähig) für Konfiguration und Daten, Redis als Queue für SNMP-Traps und asynchrone Operationen sowie dem Dienst pfqueue, der die Portplatzierung entscheidet. Es integriert sich mit zahlreichen Switch- und WLAN-Herstellern (über 150 Geräte-Familien) und bietet HA/Clustering und eine REST-API.

4. Anbindung und Integration

Benutzer und Gruppen kommen aus LDAP/Active Directory; daneben unterstützt PacketFence OAuth2, SAML, eine eigene PKI sowie Firewall-SSO und MDM-Anbindung. Über diese Integrationen lässt sich der Netzzugang an die bestehende Identitäts- und Sicherheitslandschaft koppeln, statt eine Insel zu bilden.

AD-Anbindung und Zeitsynchronisation beachten

Für EAP-PEAP gegen Active Directory sind eine korrekte Zeitsynchronisation (NTP) zwischen PacketFence und den Domänencontrollern sowie eine durchdachte Maschinenkonto-Konfiguration nötig. Diese Details früh klären, sie sind eine häufige Fehlerquelle bei der Einführung.

5. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Vollwertiges Open-Source-NAC (802.1X, MAB, Portal, Profiling)Einführung ist ein anspruchsvolles Projekt mit Lernkurve
Herstellerübergreifend (über 150 Geräte-Familien), HA-fähigAD-/RADIUS-Integration erfordert sorgfältige Planung
Dynamische Segmentierung als Zero-Trust-Baustein802.1X-Rollout über den Gerätebestand braucht Zeit

Häufige Fragen zu PacketFence

Nein, PacketFence bringt FreeRADIUS bereits eingebettet mit und steuert es selbst. Die Authentifizierungsentscheidung (VLAN, Isolation) trifft das PacketFence-Backend.

In der Regel ja: PacketFence unterstützt eine große Zahl an Switch- und WLAN-Herstellern (über 150 Geräte-Familien). Entscheidend ist, dass die Geräte 802.1X und/oder MAC-Authentifizierung sowie die nötigen RADIUS-Funktionen beherrschen; die konkrete Modellunterstützung sollte vorab geprüft werden.

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