Netzwerk & WAN

VSRP

VSRP ist ein proprietäres Layer-2/3-Redundanzprotokoll von Brocade/Ruckus, das Schleifenfreiheit (wie STP) und Gateway-Redundanz (wie VRRP) je VLAN vereint.

  • Proprietär (Foundry/Brocade/Ruckus)
  • L2- und L3-Redundanz in einem
  • Master/Backup je VRID
  • VSRP-aware, schnelles Failover
  • Nur FastIron/ICX
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 11 Min. Lesezeit

VSRP (Virtual Switch Redundancy Protocol) ist ein proprietäres Redundanzprotokoll, das ursprünglich von Foundry Networks entwickelt wurde und heute auf den FastIron/ICX-Switches von Ruckus/CommScope (zuvor Brocade) lebt. Seine Besonderheit: Es kombiniert in einer einzigen Protokollinstanz je VLAN das, wofür sonst zwei Protokolle nötig wären, nämlich Schleifenfreiheit auf Layer 2 (wie STP) und Gateway-Redundanz auf Layer 3 (wie VRRP).

Dieser Artikel erklärt das kombinierte L2/L3-Prinzip, das Master/Backup-Modell mit VRIDs, die Master-Wahl und das schnelle Failover über VSRP-aware-Switches, Track-Ports und Fast Start, das Zusammenspiel mit dem Metro Ring Protocol sowie die Abgrenzung zu den offenen Standards VRRP und STP. Vor allem aber ordnet er den proprietären Charakter ein: VSRP funktioniert nur in einer homogenen Hersteller-Umgebung.

1. Zwei Aufgaben in einem Protokoll

Klassisch trennt man zwei Redundanzfunktionen: Ein Spanning-Tree-Protokoll hält das Layer-2-Netz schleifenfrei, indem es redundante Pfade blockiert, und VRRP stellt auf Layer 3 ein gemeinsames, ausfallsicheres Standard-Gateway bereit. VSRP führt beides zusammen: Pro VSRP-Instanz auf einem VLAN sorgt es für Schleifenfreiheit und Gateway-Redundanz. Technisch baut VSRP auf VRRP-E auf, einer ebenfalls proprietären Erweiterung von VRRP, und ist nicht mit Standard-VRRP interoperabel.

2. Master, Backup und VRID

Jede VSRP-Instanz wird über eine VRID (Virtual Router/Switch ID, 1 bis 255) auf einem VLAN definiert. Innerhalb einer Instanz gibt es einen Master und einen oder mehrere Backups: Der Master setzt die VLAN-Ports der Instanz auf Weiterleitung, das Backup setzt seine Ports auf Blockieren und verhindert so Schleifen. Die Master-Wahl entscheidet die Priorität (Standard 100, der höhere Wert gewinnt; bei Gleichstand die höhere IP). Preemption ist standardmäßig aktiv, lässt sich aber abschalten.

VSRP-Grundkonfiguration (Ruckus FastIron, vereinfacht)

router vsrp
!
vlan 200
 tagged ethernet 1/1/1 to 1/1/8
 vsrp vrid 1
  backup priority 110
  advertise backup
  activate
!
show vsrp vrid 1

3. Schnelles Failover: VSRP-aware, Track-Ports, Fast Start

Fällt der Master aus, übernimmt das Backup. Damit nachgelagerte Switches die geänderte Topologie sofort mitbekommen, gibt es das Konzept VSRP-aware: Ein angeschlossener FastIron/ICX-Switch ohne eigene VSRP-Konfiguration erkennt den Wechsel und schaltet seinen Pfad über einen MAC-Adress-Wechsel im Sub-Sekunden-Bereich um. Track-Ports überwachen wichtige Uplinks und senken bei deren Ausfall die Priorität, sodass ein besser angebundenes Backup übernimmt. VSRP Fast Start verkürzt die Konvergenz zusätzlich. Die Hello- und Dead-Timer sind konfigurierbar.

Der eigentliche Trick für schnelles Failover steckt nicht in den Hello-Timern, sondern im VSRP-aware-Mechanismus: Weil benachbarte Switches den MAC-Wechsel sofort nachvollziehen, konvergiert das Netz deutlich schneller als mit klassischem Spanning Tree. Dieser Vorteil greift aber nur, solange alle Geräte vom selben Hersteller stammen.

4. Verhältnis zu MRP und Abgrenzung

VSRP ergänzt sich mit dem Metro Ring Protocol (MRP), einem weiteren proprietären Ruckus-Protokoll für Ring-Redundanz; über ein Signaling können beide bei Topologieänderungen schnell konvergieren. Gegenüber den offenen Standards ist die Einordnung klar: VRRP (RFC 5798) deckt nur die L3-Gateway-Redundanz ab, STP/RSTP/MSTP nur die L2-Schleifenfreiheit. VSRP bündelt beides, jedoch um den Preis der Herstellerbindung.

ProtokollEbene / Standard
STP / RSTP / MSTPnur L2, offen (IEEE); keine Gateway-Redundanz
VRRP (v2/v3)nur L3-Gateway, offen (RFC 5798); kein L2-Schleifenschutz
VRRP-EL3-Gateway, proprietär (Brocade/Ruckus); Basis für VSRP
VSRPL2 und L3 in einem, proprietär; nur FastIron/ICX
MLAG / Stacking / EVPNmoderne Alternativen für Redundanz ohne blockierte Pfade

5. Proprietär: nur homogene Umgebung

Der entscheidende Punkt für die Praxis: VSRP ist kein offener Standard und läuft ausschließlich auf FastIron/ICX. Kein Switch eines anderen Herstellers spricht VSRP. In gemischten Netzen (etwa Ruckus neben Cisco oder Aruba) ist es deshalb nicht einsetzbar; dort kombiniert man MSTP für die L2-Schleifenfreiheit mit VRRP für das Gateway. In modernen Designs wird die Funktion zunehmend durch MLAG (Multi-Chassis-Link-Aggregation), Stacking oder EVPN/VXLAN abgelöst, die ohne blockierte Pfade auskommen und besser skalieren.

Herstellerbindung mitbedenken

VSRP lohnt sich dort, wo bereits eine durchgängige FastIron/ICX-Landschaft steht. Als Architekturziel für ein neues, herstelleroffenes Netz ist es ungeeignet, weil es jede Interoperabilität ausschließt. Wer Flexibilität bei der Hardwarewahl behalten will, fährt mit Standards (MSTP plus VRRP) oder MLAG-/EVPN-Designs besser.

6. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Schleifenschutz und Gateway-Redundanz in einer InstanzStreng proprietär, nur FastIron/ICX
Schnelles Failover über VSRP-aware-MechanismusKeine Interoperabilität mit Fremdherstellern
Einheitliche Konfiguration in homogenen NetzenBasis VRRP-E ebenfalls proprietär (nicht VRRP-kompatibel)
Track-Ports für kontextbewusstes FailoverQinQ und Super-Aggregated-VLANs nicht gleichzeitig nutzbar
Zusammenspiel mit Metro Ring ProtocolIn modernen Designs oft durch MLAG/Stacking/EVPN abgelöst

Häufige Fragen zu VSRP

VRRP ist ein offener Standard (RFC 5798) und stellt ausschließlich ein redundantes Standard-Gateway auf Layer 3 bereit. VSRP ist proprietär und vereint zusätzlich die Layer-2-Schleifenfreiheit (wie STP) in derselben Instanz. VSRP läuft nur auf FastIron/ICX, VRRP herstellerübergreifend.

Nein. VSRP ist proprietär und ausschließlich auf Foundry/Brocade/Ruckus-FastIron/ICX-Switches verfügbar. In gemischten Umgebungen nutzt man stattdessen die offenen Standards MSTP (Layer 2) und VRRP (Layer 3) oder herstellerspezifische MLAG-/Stacking-Lösungen.

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