Virtualisierung

Microsoft Hyper-V

Hyper-V ist Microsofts Typ-1-Hypervisor, der als Rolle in Windows Server steckt und VMs über eine privilegierte Verwaltungspartition betreibt.

  • Typ-1, Rolle in Windows Server
  • Failover Cluster und CSV
  • Hyper-V Replica für DR
  • Microsoft
  • Generation-2-VMs (UEFI, Secure Boot)
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 11 Min. Lesezeit

Hyper-V ist der Hypervisor von Microsoft. Er ist keine eigenständige Software, die man kauft, sondern eine Rolle in Windows Server (und als Client-Hyper-V in Windows Pro/Enterprise). Trotz des sichtbaren Windows handelt es sich um einen Typ-1-Hypervisor: Er liegt direkt auf der Hardware, und das Windows des Hosts wird zur privilegierten Verwaltungspartition.

Dieser Artikel erklärt die Partitionsarchitektur und ihre interne Kommunikation, den Unterschied der VM-Generationen, die virtuellen Switches, die Hochverfügbarkeit über Failover Clustering und Live Migration, die Replikation für die Notfallwiederherstellung, die Sicherheitsbausteine sowie die Editions- und Lizenzfragen, inklusive des eingestellten Standalone-Produkts.

1. Typ-1 trotz sichtbarem Windows

Wird die Hyper-V-Rolle aktiviert, schiebt sich der Hypervisor unter das laufende Windows. Das bisherige Betriebssystem wird zur Root- oder Parent-Partition, einer privilegierten Partition mit Zugriff auf die physische Hardware und die Treiber. Die virtuellen Maschinen laufen daneben in unprivilegierten Child-Partitionen. Anders als bei einem Typ-2-Hypervisor wie einer Desktop-Virtualisierung läuft Windows hier nicht über, sondern neben dem Hypervisor.

2. Kommunikation: VMBus und Integration Services

Damit die VMs nicht jede Hardware emuliert ansprechen müssen, gibt es den VMBus, einen schnellen Kanal zwischen den Partitionen. In der Root-Partition sitzen Dienstanbieter (VSP), in den Gästen die passenden Verbraucher (VSC). Aufgeklärte Gastsysteme nutzen darüber direkten, schnellen Zugriff statt emulierter Geräte. Bereitgestellt wird das über die Integration Services, die in aktuellen Windows- und Linux-Gästen bereits enthalten sind. Voraussetzung auf dem Host sind die CPU-Virtualisierung und die Adressübersetzung der zweiten Ebene (SLAT).

3. VM-Generationen 1 und 2

Beim Anlegen einer VM legt man die Generation fest, sie lässt sich später nicht mehr ändern:

Generation 1Generation 2
Legacy-BIOS-FirmwareUEFI-Firmware mit Secure Boot
Boot von emuliertem IDE-ControllerBoot von virtuellem SCSI-Controller
32- und 64-Bit-Gästenur 64-Bit-Gäste
für ältere BetriebssystemeStandard für aktuelles Windows und Linux, vTPM möglich

VHDX statt VHD

Das moderne Disk-Format VHDX fasst bis zu 64 TB, erlaubt Größenänderung im Betrieb und ist robuster gegen Abbrüche. Das alte VHD ist auf rund 2 TB begrenzt und nur noch aus Kompatibilitätsgründen relevant.

4. Virtuelle Switches

Hyper-V kennt drei Arten virtueller Switches: extern verbindet VMs und Host mit dem physischen Netz, intern erlaubt Kommunikation zwischen VMs und Host ohne externen Zugang, und privat verbindet nur die VMs eines Hosts untereinander. Über VLANs und das separate Software-Defined Networking lässt sich das weiter segmentieren.

5. Hochverfügbarkeit: Cluster und Live Migration

Für Ausfallsicherheit kombiniert Hyper-V das Windows Failover Clustering mit Cluster Shared Volumes (CSV), einem gemeinsam genutzten Speicher, auf den alle Knoten zugreifen. Fällt ein Knoten aus, starten seine VMs auf anderen neu. Die Live Migration verschiebt laufende VMs ohne Unterbrechung zwischen Knoten; mit Shared-Nothing Live Migration geht das sogar ohne gemeinsamen Speicher.

6. Notfallwiederherstellung mit Hyper-V Replica

Hyper-V Replica repliziert VMs asynchron über das Netz an einen zweiten Standort, mit wählbaren Intervallen bis hinunter zu 30 Sekunden. Im Notfall lässt sich am Zielort übernehmen. Das ist eine eingebaute, kostenfreie Basis für die Notfallwiederherstellung, kein Ersatz für ein vollständiges Backup-Konzept, aber ein wirksamer Baustein für die Standortredundanz.

7. Sicherheit

Generation-2-VMs unterstützen Secure Boot und einen virtuellen TPM, sodass BitLocker innerhalb der VM möglich ist. Shielded VMs gehen weiter: Sie verschlüsseln die VM und geben sie nur auf attestierten, vertrauenswürdigen Hosts frei (über den Host Guardian Service) und schützen so auch gegen kompromittierte Administratoren. Auf dem Host isoliert die virtualisierungsbasierte Sicherheit (VBS) sensible Prozesse. Shielded VMs setzen allerdings die Datacenter-Edition voraus.

8. Editionen, Lizenz und das eingestellte Standalone-Produkt

Die Hyper-V-Rolle selbst kostet nichts extra, sie steckt im Windows-Server-Preis. Unterschiede gibt es bei den VM-Rechten: Standard deckt zwei Windows-Server-VMs je lizenziertem Host ab (durch Stapeln erweiterbar), Datacenter unbegrenzt viele und schaltet zusätzlich Shielded VMs, Software-Defined Networking und Storage Spaces Direct frei.

Hyper-V Server ist eingestellt

Das kostenlose Standalone-Produkt „Hyper-V Server“ wurde nach der Version 2019 eingestellt, ohne Nachfolger. Wer einen Bare-Metal-Hypervisor ohne Windows-Server-Lizenz sucht, hat von Microsoft keine Option mehr. Die Hyper-V-Rolle in Windows Server selbst wird weiterentwickelt, sie ist nicht eingestellt.

9. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Keine separate Hypervisor-Lizenz, im Windows-Server-PreisStandalone-Produkt Hyper-V Server eingestellt
Enge Integration in Active Directory und Windows-WerkzeugeShielded VMs, SDN und S2D nur in der Datacenter-Edition
Failover Clustering, Live Migration und CSV für HAStandard-Edition deckt nur zwei Server-VMs je Host ab
Hyper-V Replica als kostenlose DR-BasisVM-Generation nach Erstellung nicht änderbar
Shielded VMs schützen gegen kompromittierte AdminsAn das Windows-Ökosystem und dessen Lizenzlogik gebunden

Häufige Fragen zu Microsoft Hyper-V

Ja. Beim Aktivieren der Rolle schiebt sich der Hypervisor unter das Windows, das dann als privilegierte Verwaltungspartition (Root-Partition) neben den VMs läuft, nicht über ihnen. Damit ist Hyper-V ein Typ-1-Hypervisor, anders als eine Desktop-Virtualisierung, die als Anwendung auf einem Wirtssystem läuft.

Die Hyper-V-Rolle ist im Preis von Windows Server enthalten und wird weiterentwickelt. Eingestellt ist nur das frühere kostenlose Standalone-Produkt „Hyper-V Server“ (letzte Version 2019), das ohne Windows-Server-Lizenz auskam. Einen lizenzkostenfreien Bare-Metal-Hypervisor bietet Microsoft damit nicht mehr; dafür eignen sich KVM-basierte Plattformen.

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