Virtualisierung

Proxmox VE

Proxmox VE ist eine quelloffene Virtualisierungsplattform auf Basis von KVM und LXC, mit Weboberfläche, Cluster, Live-Migration und integriertem Backup.

  • Open Source (AGPL)
  • KVM & LXC
  • Cluster & HA
  • Flexibler Storage
  • Keine Lizenzbindung
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 11 Min. Lesezeit

Seit der Broadcom-Übernahme und der Umstellung von VMware auf Abo-Bündel suchen viele Mittelständler eine kostentransparente Alternative. Proxmox VE ist dabei die am häufigsten genannte Plattform: quelloffen, ohne Lizenzbindung, mit Cluster, Live-Migration, Hochverfügbarkeit und integriertem Backup.

Dieser Artikel erklärt, wie Proxmox VE aufgebaut ist, wie Cluster, Storage, Backup und Netzwerk zusammenspielen und wie sich VMware-Umgebungen migrieren lassen. Wo OLVM oder ein klassisches SAN die geradlinigere Wahl ist, wird das eingeordnet.

Kurz gesagt

Stärken

  • Quelloffen (AGPLv3), keine Lizenzkosten und keine Funktionssperren
  • Masterfreier Cluster mit Live-Migration und Hochverfügbarkeit
  • Flexible Storage-Optionen: ZFS, Ceph/RBD, LVM, NFS, SMB, iSCSI
  • VMs (KVM) und Container (LXC) aus einer Oberfläche und API
  • Integriertes Backup mit Deduplizierung (Proxmox Backup Server)
  • Integrierter Import-Assistent für VMware-VMs (ab Version 8.1)

Schwächen

  • Kein schlüsselfertiges Hersteller-Komplettpaket: Betrieb und Know-how liegen im eigenen Team oder beim Partner
  • Keine native Anbindung an proprietäre Fremd-Ökosysteme und deren Spezialfunktionen
  • Enterprise-Scheduling (granulares QoS, NUMA-Policies, RBAC-Tiefe) weniger ausgeprägt als bei OLVM oder vSphere

1. Was Proxmox VE ist

Proxmox VE (Virtual Environment) ist eine quelloffene Virtualisierungsplattform auf Basis von Debian GNU/Linux. Sie vereint zwei Virtualisierungsarten unter einer Weboberfläche: vollwertige virtuelle Maschinen über KVM/QEMU und schlanke Container über LXC.

Verwaltet wird alles über eine HTML5-Weboberfläche, eine REST-API und die Kommandozeile. Es gibt keinen zentralen Management-Server, der ausfallen könnte: Jeder Knoten im Cluster ist gleichberechtigt und kann den gesamten Cluster verwalten.

2. Cluster, Live-Migration und Hochverfügbarkeit

Mehrere Proxmox-Knoten lassen sich zu einem Cluster verbinden. Die Cluster-Kommunikation läuft über Corosync, die Konfiguration wird über das Proxmox-Cluster-Dateisystem (pmxcfs) auf allen Knoten synchron gehalten.

Laufende VMs lassen sich per Live-Migration ohne Ausfall zwischen Knoten verschieben, sofern die CPUs kompatibel sind. Der integrierte HA-Manager startet VMs bei einem Knotenausfall automatisch auf einem anderen Knoten neu.

Für ein stabiles Quorum sind mindestens drei Knoten sinnvoll. Bei zwei Knoten braucht es einen zusätzlichen Quorum-Geber (QDevice), sonst blockiert der Cluster beim Ausfall eines Knotens.

3. Storage-Optionen

Proxmox VE ist bei der Storage-Wahl bewusst flexibel und unterstützt lokale wie gemeinsame Speicher. Gemeinsamer Storage ist die Voraussetzung für Live-Migration und HA.

StorageArtTypischer Einsatz
ZFS (lokal)Datei/BlockLokaler Speicher mit Snapshots, Prüfsummen, Replikation
LVM / LVM-thinBlockLokaler Block-Storage, Thin Provisioning
Ceph (RBD)Block, verteiltHyperkonvergenter, ausfallsicherer Shared Storage
CephFSDatei, verteiltGemeinsame Dateien, ISO- und Template-Ablage
NFS / SMBDateiAnbindung an bestehende NAS-/Datei-Server
iSCSIBlockAnbindung an ein bestehendes SAN

4. Ceph und Hyperkonvergenz

Eine der Stärken von Proxmox VE ist die native Integration von Ceph. Rechenleistung und verteilter Speicher laufen dann auf denselben Servern (hyperkonvergent), und der Cluster wird über die Weboberfläche eingerichtet.

Die VM-Festplatten liegen als RBD im Ceph-Pool und sind über alle Knoten erreichbar. Das ermöglicht Live-Migration und Hochverfügbarkeit ohne separates SAN. Für kleinere Umgebungen ist lokales ZFS mit Replikation oft die einfachere Wahl.

5. Backup mit dem Proxmox Backup Server

Sicherungen erstellt Proxmox VE über das Werkzeug vzdump und, deutlich leistungsfähiger, über den Proxmox Backup Server (PBS). PBS arbeitet inkrementell und dedupliziert, sodass nur geänderte Datenblöcke gesichert werden.

Das hält Backups klein und schnell und ermöglicht häufige Sicherungspunkte. Ein Backup ersetzt keine Hochverfügbarkeit und umgekehrt: beides gehört zusammen, idealerweise mit einem zweiten Standort oder unveränderlichen Zielen gegen Ransomware.

6. Netzwerk

Das Netzwerk basiert auf Linux-Bridges mit VLANs und Bonds (LACP) für Redundanz und Durchsatz. Für komplexere Szenarien bringt Proxmox VE eine SDN-Funktion mit, die Zonen, VNets und VXLAN-Overlays verwaltet.

Gerade bei Ceph oder iSCSI gilt: Storage- und Cluster-Verkehr gehören auf eigene, schnelle Netze (25 GbE und mehr), damit die Wiederherstellung den Normalbetrieb nicht ausbremst.

7. Lizenz, Repositories und Support

Proxmox VE steht unter der AGPLv3 und ist kostenlos nutzbar, auch kommerziell. Der Quellcode ist offen, es gibt keine Funktionssperren hinter einer Lizenz.

Optional bietet Proxmox eine Subscription an. Sie schaltet das stärker getestete Enterprise-Repository frei und beinhaltet Hersteller-Support. Ohne Subscription nutzt man das No-Subscription-Repository mit denselben Paketen, etwas schnellerer Taktung und minimal höherem Regressionsrisiko.

8. VMware ablösen

Seit Proxmox VE 8.1 gibt es einen integrierten Import-Assistenten, der VMware-VMs übernimmt. Das macht die Migration planbar: Bestand aufnehmen, Pilot migrieren, in Wellen umziehen, Backup und Monitoring mitziehen.

Zur Kostenfrage kursieren je nach Quelle sehr unterschiedliche Zahlen. Wir rechnen das im Einzelfall durch, statt mit pauschalen Einsparungsversprechen zu arbeiten. Mehr dazu auf unserer Seite zur VMware-Alternative.

Häufige Fragen zu Proxmox VE

KVM für vollwertige virtuelle Maschinen mit eigenem Kernel (auch Windows). LXC für schlanke Linux-Container, die sich den Host-Kernel teilen und weniger Overhead haben.

Proxmox VE ist im Mittelstand breit verbreitet, pragmatisch und masterfrei mit nativer Ceph-Integration. OLVM ist eine zentral verwaltete Enterprise-Plattform mit tieferen SLA-Funktionen (granulares QoS, NUMA-Scheduling, feingranulares RBAC) und braucht dafür eine separate Engine. Beides setzt auf KVM und ist kostenfrei nutzbar.

Auch der Autor ist nur ein Mensch, dem Fehler unterlaufen können. Wenn in diesem Beitrag etwas nicht stimmt oder unklar ist, freuen wir uns über einen kurzen Hinweis über das Kontaktformular unten, wir prüfen und korrigieren das.

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