Software & Collaboration

Open-Xchange (OX App Suite)

Open-Xchange (OX App Suite) ist eine webbasierte Groupware- und E-Mail-Plattform des deutschen Herstellers, vor allem bei Internet- und Hosting-Providern im Einsatz.

  • AGPLv3-Kern, Provider-Lizenz
  • Deutscher Hersteller
  • Webmail, Kalender, Drive, Dokumente
  • Dovecot-Backend, Postfix-MTA
  • Provider-Skalierung
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 10 Min. Lesezeit

Open-Xchange, als Produkt OX App Suite, ist eine webbasierte Groupware- und E-Mail-Plattform des gleichnamigen deutschen Herstellers. Sie bündelt Webmail, Kalender, Kontakte, Aufgaben, Dateien (OX Drive) und Online-Dokumente (OX Documents) und ist von Grund auf für den Betrieb bei Internet- und Hosting-Providern konzipiert.

Dieser Artikel erklärt die Architektur (Middleware, Dovecot, Datenbank), das Lizenz- und Bezugsmodell, die Zielgruppe und Souveränitätsrelevanz, den aktuellen Stand der Version 8 samt Kubernetes-Anforderung sowie die Abgrenzung zur klassischen Unternehmens-Groupware.

Kurz gesagt

OX App Suite passt, wenn

  • Sie als Provider oder Hoster White-Label-Webmail für viele tausend Endkunden bereitstellen.
  • Webmail der Hauptclient ist und Outlook im Alltag keine Rolle spielt.
  • Souveränität zählt: deutscher Hersteller, AGPLv3-Kern, Betrieb in eigener Infrastruktur.
  • Sie Postfächer in Größenordnungen planen, in denen sich Mandantenfähigkeit und horizontale Skalierung rechnen.

OX App Suite passt weniger, wenn

  • Sie Microsoft Exchange ablösen wollen und Outlook nativ weiterlaufen soll. OX kennt kein MAPI. Näher dran ist Grommunio.
  • Sie eine reife, kommerziell supportete Plattform mit Outlook-Connector suchen. Dafür ist Zimbra der naheliegendere Weg.
  • Sie ein Active-Directory-geprägtes Haus mit einigen hundert Postfächern sind. Der Kubernetes-Unterbau von Version 8 steht dazu in keinem Verhältnis.
  • Sie ohne kommerziellen Lizenzvertrag produktiv gehen wollen. Die Community Edition erhält keine öffentlichen Sicherheits-Patches.

1. Ist Open-Xchange eine Exchange-Alternative?

Der Name legt eine Nähe zu Microsoft Exchange nahe, die technisch so nicht besteht. OX App Suite bildet Exchange nicht Protokoll für Protokoll nach: MAPI over HTTP und EWS fehlen. Outlook für Windows bindet über Exchange ActiveSync (lizenzpflichtiges Add-on) oder über IMAP plus CalDAV-Plug-in an, öffentliche Ordner im Exchange-Sinn gibt es nicht. Auch eine tiefe Integration in Active Directory und Gruppenrichtlinien ist nicht das Ziel der Plattform. Als Ersatz trägt OX dort, wo der Browser der Hauptclient ist, nicht dort, wo Outlook den Arbeitsalltag bestimmt.

Wer aus einer Exchange-Umgebung kommt und Outlook behalten will, landet in der Praxis bei zwei anderen Plattformen. Grommunio spricht mit der Engine gromox die nativen Exchange-Protokolle (MAPI over HTTP, EWS, ActiveSync), Outlook verbindet sich ohne Connector. Zimbra bringt mit dem Zimbra Connector for Outlook und EWS als Add-on einen erprobten, kommerziell supporteten Weg mit. Alle drei nebeneinander, samt Vergleich mit Exchange selbst, stehen auf unserer Seite zu Mail & Groupware.

Open-Xchange ist eine Groupware-Plattform, keine Exchange-Nachbildung. Die Entscheidung fällt nicht an der Funktionsliste, sondern an der Frage, ob Ihre Anwender im Browser oder in Outlook arbeiten.

2. Architektur und Komponenten

Im Zentrum steht eine Java-Middleware, die Authentifizierung, Datenhaltung, Berechtigungen und die APIs bereitstellt. Als IMAP-Backend ist Dovecot tief integriert und empfohlen; den Mailtransport übernimmt typischerweise Postfix. Metadaten liegen in einer MariaDB (auch als Galera-Cluster), das Frontend ist eine JavaScript-Webanwendung. Die aktuelle Version 8 wird Kubernetes-basiert ausgerollt (mit Istio als Service-Mesh und Redis für Caching/Sessions); als Dateispeicher dienen NFS oder S3-kompatible Backends.

OX App Suite ist als Plattform für Betreiber gebaut, nicht als Appliance für die kleine Firma nebenan. Die Architektur zielt auf Mandantenfähigkeit und horizontale Skalierung, was bei kleinen Installationen als Overhead spürbar wird.

3. Lizenz- und Bezugsmodell

Backend/Middleware und Frontend stehen heute laut Hersteller einheitlich unter der AGPLv3; ältere Lizenzangaben (etwa CC-BY-SA-NC für das Frontend) sind überholt. Die Community Edition ist funktionsfähig, erhält jedoch keinen Support und keine öffentlichen Sicherheits-Patches; einzelne Module wie der OX Document Viewer oder der ActiveSync-Connector setzen eine kommerzielle Lizenz voraus, und OX Documents trägt ein eigenes Lizenzmodell außerhalb der AGPLv3 des Kerns. Vertrieben wird das Produkt überwiegend als Provider-/Service-Lizenz pro Postfach.

Community Edition ohne öffentliche Sicherheits-Patches

Ohne kommerziellen Lizenzvertrag erhält die Community Edition keine öffentlichen Sicherheits-Patches. Für einen produktiven, dem Internet zugewandten Mail-Dienst ist das ein entscheidender Punkt bei der Wahl des Betriebsmodells.

4. Module: Mail, Drive, Documents, Guard

Neben Mail, Kalender, Kontakten und Aufgaben bringt OX App Suite eine Dateiverwaltung (OX Drive) und browserbasierte Office-Dokumente (OX Documents: Text, Tabelle, Präsentation) mit. OX Guard ergänzt Verschlüsselung für Mail und Dateien (PGP und S/MIME) mit zentraler Schlüsselverwaltung. Mobile Geräte binden über den lizenzpflichtigen ActiveSync-Connector an; CalDAV und CardDAV sind offen verfügbar.

5. Betrieb: selbst hosten oder betreiben lassen

Bei OX entscheidet die Betriebsfrage mehr als der Funktionsumfang. Version 8 wird für Neuinstallationen Kubernetes-basiert ausgerollt, mit Istio als Service-Mesh und Redis für Caching und Sessions; dazu kommen MariaDB (häufig als Galera-Cluster), Dovecot, Postfix und ein Dateispeicher auf NFS oder S3. Wer das selbst hostet, betreibt eine verteilte Plattform, keine Appliance. Für klassische, kleinere Linux-Setups bleibt die LTS-Linie 7.10.6 eine Option, deren Pflege allerdings Ende 2026 ausläuft. OX läuft ausschließlich unter Linux.

Dazu kommt die Lizenzfrage: Ohne kommerziellen Vertrag erhält die Community Edition keine öffentlichen Sicherheits-Patches. Für einen Dienst, der dem Internet zugewandt ist, heißt das entweder Lizenzvertrag oder eine andere Plattform. Beide Punkte zusammen führen im Mittelstand häufig zu dem Ergebnis, dass Grommunio oder Zimbra den vertretbaren Betriebsaufwand besser treffen. Was zu Bestand, Clients und Postfachzahl passt, klären wir vor der Plattformentscheidung, nicht danach: siehe Mail & Groupware.

6. Hersteller und Ökosystem

Hinter OX App Suite steht die Open-Xchange AG/GmbH mit Standorten in Deutschland (unter anderem Köln, Olpe und Nürnberg). Zur Unternehmensgruppe gehören auch der IMAP-Server Dovecot und die DNS-Software PowerDNS. Open-Xchange beziffert die Reichweite über Provider-Partner auf mehr als 220 Millionen Postfächer (Eigenangabe); zu den bekannten Partnern zählen große europäische Hoster wie IONOS/1&1.

7. Zielgruppe und Souveränität

Primäre Zielgruppe sind Internet- und Hosting-Provider, die White-Label-Webmail für ihre Endkunden anbieten; Open-Xchange bleibt dabei für den Endnutzer unsichtbar. Zunehmend spielt die Plattform auch im öffentlichen Sektor eine Rolle: Das Land Schleswig-Holstein hat bis Oktober 2025 mehr als 40.000 Postfächer von Microsoft Exchange/Outlook auf OX App Suite in Kombination mit Thunderbird umgestellt, als Baustein eines souveränen Arbeitsplatzes.

8. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Auf Provider-Skalierung ausgelegt, mandantenfähig, White-LabelFür kleine Installationen ist der v8-Kubernetes-Overhead schwer zu rechtfertigen
Eigenständiger deutscher Hersteller; Dovecot und PowerDNS im KonzernKein nativer Outlook-Anschluss (MAPI); nur ActiveSync oder IMAP
Breites Modul-Set: Mail, Drive, Documents, Guard-VerschlüsselungCommunity Edition ohne Support und ohne öffentliche Sicherheits-Patches
AGPLv3-Kern, on-prem betreibbar, Souveränitäts-Referenzen im öffentlichen SektorPrimär Provider-Architektur, kein klassischer AD-/Enterprise-Exchange-Ersatz

Häufige Fragen zu Open-Xchange (OX App Suite)

In erster Linie für Internet- und Hosting-Provider, die White-Label-Webmail im großen Maßstab anbieten, sowie zunehmend für Souveränitätsprojekte im öffentlichen Sektor. Für klassische, AD-integrierte Unternehmen mit nativem Outlook ist es weniger der direkte Exchange-Ersatz.

Nur eingeschränkt. OX App Suite bietet kein MAPI over HTTP und kein EWS, Outlook bindet über ActiveSync (Add-on) oder IMAP plus CalDAV-Plug-in an, öffentliche Ordner im Exchange-Sinn fehlen. Wo Outlook den Arbeitsalltag bestimmt, kommen Grommunio mit nativen Exchange-Protokollen oder Zimbra mit Outlook-Connector deutlich näher heran.

Ab Version 8 setzt der Betrieb Kubernetes mit Istio voraus, dazu MariaDB, Dovecot, Postfix und einen Dateispeicher auf NFS oder S3. Das ist Plattformbetrieb, keine Appliance. Wir richten Groupware in eigener Hoheit ein und betreiben sie; welche der drei Plattformen dafür passt, entscheiden wir nach Bestand, Clients und Postfachzahl. Mehr dazu unter Mail & Groupware.

Der Kern (Middleware und Frontend) steht unter der AGPLv3. Die kommerzielle Nutzung, insbesondere der Weitervertrieb durch Provider, setzt jedoch eine Lizenz voraus; die Community Edition erhält keine öffentlichen Sicherheits-Patches.

Ja, über Exchange ActiveSync (lizenzpflichtiger Connector) oder über IMAP/SMTP, allerdings ohne den vollen Funktionsumfang einer nativen MAPI-Exchange-Verbindung. Die Referenzmigration in Schleswig-Holstein kombiniert OX App Suite bewusst mit Thunderbird.

Auch der Autor ist nur ein Mensch, dem Fehler unterlaufen können. Wenn in diesem Beitrag etwas nicht stimmt oder unklar ist, freuen wir uns über einen kurzen Hinweis über das Kontaktformular unten, wir prüfen und korrigieren das.

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