Virtualisierung

HPE Morpheus

HPE Morpheus VM Essentials ist eine KVM-basierte Virtualisierungslösung von HPE, positioniert als kommerzielle VMware-vSphere-Alternative.

  • KVM-basiert (HVM)
  • VMware-Alternative mit HPE-Support
  • Verwaltet HVM und vSphere parallel
  • Lizenz pro CPU-Socket
  • aus Morpheus-Data-Übernahme 2024
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 12 Min. Lesezeit

HPE Morpheus ist seit der Übernahme von Morpheus Data durch HPE (2024) eine Produktfamilie mit zwei klar getrennten Strängen. Der für die Virtualisierung relevante ist HPE Morpheus VM Essentials (VME): eine schlanke, KVM-basierte Virtualisierungslösung, die HPE ausdrücklich als kommerzielle Alternative zu VMware vSphere positioniert, eine Reaktion auf die veränderte Lizenzpolitik nach der Broadcom-Übernahme von VMware. Daneben steht HPE Morpheus Enterprise, eine Plattform für Hybrid-Cloud-Management und Orchestrierung.

Dieser Artikel erklärt die beiden Stränge, die Architektur von VM Essentials (KVM/QEMU, Open vSwitch, Pacemaker, eigener Manager), den VMware-Migrationspfad samt Parallelbetrieb, Storage und Hochverfügbarkeit, das Backup-Ökosystem sowie die Lizenzierung pro Socket. Eine sachliche Einordnung gegenüber den quelloffenen KVM-Plattformen Proxmox VE und OLVM gehört dazu.

1. Zwei Stränge: VM Essentials und Enterprise

Die Familie ist sauber zu trennen. HPE Morpheus VM Essentials ist eine reine Virtualisierungslösung (Hypervisor plus Management) und der direkte vSphere-Gegenspieler. HPE Morpheus Enterprise (das frühere Morpheus Data) ist eine darüberliegende Hybrid-Cloud-Management-Plattform: Self-Service-Portal, Blueprints, Infrastructure-as-Code-Integration (unter anderem Terraform und Ansible), rollenbasierte Zugriffe und Kosten-Reporting über viele Clouds und Plattformen hinweg. Für die Frage „VMware-Ersatz“ ist VM Essentials der relevante Teil.

2. Architektur von VM Essentials

Der Hypervisor (von HPE als HVM bezeichnet) basiert auf KVM/QEMU und damit auf derselben Linux-Virtualisierungstechnik wie Proxmox VE und OLVM. Für das Netzwerk kommt Open vSwitch zum Einsatz, für Hochverfügbarkeit Pacemaker, als Basis eine Ubuntu-LTS-Distribution. Verwaltet wird zentral über den VM Essentials Manager (Web-Oberfläche, REST-API, PowerShell), das Pendant zu vCenter. Die Lösung läuft auf Standard-x86-Servern mit Virtualisierungserweiterungen (Intel VT, AMD-V).

3. VMware-Migration und Parallelbetrieb

Das stärkste Argument von VM Essentials ist der Übergang: Der VM Essentials Manager kann nicht nur HVM-Cluster, sondern auch bestehende VMware-vSphere-Cluster in derselben Oberfläche verwalten. So lässt sich schrittweise migrieren, statt vSphere in einem Bruch abzulösen. Für die eigentliche Konvertierung bringt die Lösung Werkzeuge mit, die VMware-VMs nach HVM überführen.

Der Reiz liegt nicht im Hypervisor selbst, denn KVM bekommt man auch quelloffen, sondern im sanften VMware-Ausstieg: bestehende vSphere-Cluster mitverwalten, VMs nach und nach migrieren, dabei durchgehend Herstellersupport von HPE. Genau dieser Übergangspfad unterscheidet das Angebot von einem reinen Open-Source-Hypervisor.

4. Storage, Hochverfügbarkeit und Backup

VM Essentials bietet Live-Migration und Hochverfügbarkeit (automatischer Neustart bei Host-Ausfall über Pacemaker). Für hyperkonvergente Aufbauten integriert es Ceph (anfangs mit Einschränkungen, daher je Version zu prüfen), daneben werden NFS und iSCSI (inklusive HPE-Alletra-Storage) unterstützt. Beim Backup-Ökosystem ist die Lösung jung: Anbindungen etwa über Veeam und Commvault wurden erst im Verlauf entwickelt und sollten vor einem Produktiveinsatz auf den aktuellen Stand geprüft werden.

Junges Ökosystem

VM Essentials ist erst seit Ende 2024 angekündigt und ab Anfang 2025 allgemein verfügbar. Funktionen wie die volle Ceph-Integration, Software-Defined Networking, Stretched Cluster oder die Backup-Anbindung kamen schrittweise hinzu beziehungsweise sind angekündigt. Wer migrieren will, sollte den konkreten Funktions- und Support-Stand der eingesetzten Version prüfen, statt sich auf Ankündigungen zu verlassen.

5. Lizenz, GreenLake und Einordnung

Lizenziert wird VM Essentials pro CPU-Socket als Abonnement (nicht pro Core), was gegenüber kernbasierten Modellen ein Kostenargument sein kann; konkrete Preise hängen von Vertrag und Partner ab. Die Lösung ist in HPE GreenLake integriert, lässt sich aber auch eigenständig beziehen. Gegenüber Proxmox VE und OLVM gilt: Alle drei teilen die KVM-Basis. Der Unterschied liegt nicht im Hypervisor, sondern im Modell, HPE Morpheus VME ist proprietär und herstellergestützt, Proxmox und OLVM sind quelloffen mit optionalem Support. Welcher Weg passt, hängt von Support-Erwartung, Hardware-Strategie und Lizenzbudget ab.

6. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Kommerzieller HPE-Support, KVM-BasisProprietär und lizenzpflichtig
Kann bestehende vSphere-Cluster mitverwaltenJung am Markt (allgemein verfügbar seit Anfang 2025)
VMware-zu-HVM-MigrationswerkzeugeÖkosystem (u. a. Backup) noch im Aufbau
Lizenz pro Socket statt pro CorePrimär auf HPE-Hardware ausgerichtet (Dritthardware später ergänzt)
Ceph für hyperkonvergente Setups, GreenLake-IntegrationCommunity kleiner als bei VMware oder Proxmox

Häufige Fragen zu HPE Morpheus

Technisch verwandt: Alle drei nutzen KVM als Hypervisor-Kern. Der Unterschied liegt im Modell. HPE Morpheus VM Essentials ist proprietär und wird von HPE kommerziell unterstützt, Proxmox VE und OLVM sind quelloffen mit optionalem Support. Morpheus kann zudem bestehende vSphere-Cluster mitverwalten, was den VMware-Umstieg erleichtert.

Nein. Der VM Essentials Manager kann HVM- und vSphere-Cluster parallel verwalten, sodass sich schrittweise migrieren lässt. VMs werden über mitgelieferte Werkzeuge nach HVM überführt; ein Big-Bang-Wechsel ist nicht erforderlich. Der konkrete Funktionsumfang sollte je Version geprüft werden.

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