Virtualisierung

XCP-ng

XCP-ng ist eine quelloffene Virtualisierungsplattform auf Xen-Basis, ein Fork von XenServer ohne Feature-Paywall, verwaltet über Xen Orchestra.

  • Offener XenServer-Fork (GPL)
  • Kein Feature-Paywall
  • Verwaltung über Xen Orchestra
  • Pools, HA, Live-Migration
  • Support durch Vates
Von Andreas Huser, Technische Beratung & Architektur Aktualisiert am 11 Min. Lesezeit

XCP-ng (Xen Cloud Platform, new generation) ist eine vollständige, quelloffene Virtualisierungsplattform auf Basis des Xen-Hypervisors. Sie entstand 2018 als Fork von Citrix XenServer, nachdem dort Funktionen hinter eine Lizenz-Paywall wanderten. Träger ist das Unternehmen Vates; das Projekt ist beim Xen Project unter der Linux Foundation angesiedelt.

Dieser Artikel erklärt die Architektur aus Xen, Dom0 und Pools, die Storage Repositories und das Open-vSwitch-Netzwerk, die Verwaltung über Xen Orchestra mit ihren freien und kommerziellen Varianten, die Funktionen für Hochverfügbarkeit, Live-Migration und Backup, den Migrationspfad von VMware sowie die Einordnung gegenüber Xen und den KVM-Plattformen.

1. Ein offener XenServer ohne Paywall

XCP-ng ist technisch ein XenServer, aber ohne die Funktionssperren der kommerziellen Variante: Alle Features (Live-Migration, Backup, HA, Storage-Optionen) sind frei verfügbar. Unter der Haube laufen derselbe Xen-Hypervisor und derselbe XAPI-Toolstack, mit denen auch XenServer arbeitet.

Das Geschäftsmodell von Vates liegt nicht in gesperrten Funktionen, sondern im Support: Es gibt eine fertige Management-Appliance mit Wartungsvertrag und SLA, die Software selbst bleibt offen. Auch Sicherheitspatches stehen allen Nutzern offen, nicht nur Vertragskunden.

2. Architektur: Xen, Dom0 und Pools

Wie bei Xen liegt ein schlanker Hypervisor auf der Hardware, und die privilegierte Steuer-Domäne Dom0 hält die Treiber. Mehrere Hosts lassen sich zu einem Pool verbinden (bis zu 64 Hosts), in dem ein Knoten als Coordinator (früher Pool-Master) die API bereitstellt und Befehle an die übrigen verteilt. Damit wird aus einzelnen Servern ein gemeinsam verwalteter Cluster mit geteiltem Speicher und Live-Migration.

XAPI-Grundbefehle (xe-CLI auf dem Host)

xe host-list              # Hosts im Pool
xe vm-list                # virtuelle Maschinen
xe sr-list                # Storage Repositories
xe vm-migrate vm=web01 host=node2 live=true   # Live-Migration

3. Storage Repositories

Speicher organisiert XCP-ng in Storage Repositories (SR). Offiziell unterstützt sind unter anderem:

SR-TypEigenschaft
Local LVM / EXTlokaler Block- bzw. Datei-Speicher je Host
NFSgemeinsamer Datei-Speicher, einfache Verwaltung
iSCSI / Fibre Channelgemeinsamer Block-Speicher, mit Multipathing
XOSTORhyperkonvergenter, replizierter Speicher (LINSTOR/DRBD)

Disk-Grenze beachten

Das ältere Standard-Format (VHD) begrenzt eine einzelne virtuelle Disk auf 2 TiB. Seit 2026 hebt eine QCOW2-Unterstützung diese Grenze auf und erlaubt deutlich größere Disks; VHD bleibt vorerst die Voreinstellung. Bei sehr großen Einzel-Disks gehört das Format in die Planung.

4. Verwaltung mit Xen Orchestra

Bedient wird XCP-ng über Xen Orchestra (XO), eine webbasierte Oberfläche. Es gibt zwei Wege zum selben Funktionsumfang: XO from sources, selbst aus dem Quellcode gebaut und kostenlos, und die XOA-Appliance von Vates, vorkonfiguriert, mit Updater und kommerziellem Support. Wichtig: Es gibt keine gesperrten Funktionen in der freien Variante; der Unterschied liegt im Support- und Wartungsmodell, nicht im Leistungsumfang. Ein schlanker, direkt im Host eingebetteter Client (XO Lite) ergänzt das für einfache Aufgaben.

5. Hochverfügbarkeit, Migration und Backup

XCP-ng bietet die Bausteine, die man von einer Cluster-Plattform erwartet: Pool-weite Hochverfügbarkeit mit Selbst-Fencing bei Ausfall (gemeinsamer Speicher und mindestens drei Hosts empfohlen), Live-Migration laufender VMs zwischen Hosts und sogar zwischen Speichern. Über Xen Orchestra kommen Delta-Backups (nur geänderte Blöcke) und Continuous Replication hinzu, bei der eine VM laufend auf ein zweites Repository gespiegelt wird und im Notfall direkt startbar ist.

6. Migration von VMware

Für den Wechsel von VMware bringt Xen Orchestra ein integriertes V2V-Werkzeug mit. Es repliziert die laufende vSphere-VM zunächst per Snapshot ohne Ausfall, überträgt nach einem kurzen Stopp nur die seither geänderten Blöcke und importiert sie nach XCP-ng (Warm Migration). Der Zugriff läuft über die ESXi-Schnittstelle, ein direkter Speicherzugriff ist nicht nötig. Das macht XCP-ng zu einem konkreten Ausweg aus VMware-Umgebungen.

7. Sicherheit

Die Sicherheitslage erbt XCP-ng vom Xen-Modell: Die Dom0 ist die kritische Komponente und wird mit minimalem Userland betrieben. Sicherheitslücken werden als Xen Security Advisories veröffentlicht und von XCP-ng eingespielt, und zwar für alle Nutzer ohne Support-Paywall. Vates ist auf der Vorab-Informationsliste des Xen Project, erhält Schwachstellen also früh. Wie bei jeder containerlosen Virtualisierung ist die Isolation hardwaregestützt; Vertraulichkeit auf der Leitung (etwa bei verteiltem Storage) ist separat zu planen.

8. Stärken und Grenzen

StärkenGrenzen
Voller Funktionsumfang offen, keine Feature-PaywallDom0-Abhängigkeit aus dem Xen-Modell
Kompletter Stack inkl. Management (Xen Orchestra)Disk-Limit 2 TiB im aktuellen Storage-Format
Sicherheitspatches für alle, ohne VertragDom0-Kernel-Basis konservativ; Modernisierung in Arbeit
Integrierte VMware-Migration (Warm V2V)kleineres Ökosystem als VMware oder KVM-Plattformen
Kommerzieller Support und Appliance über Vatesim KVM-Mittelstand oft hinter Proxmox/OLVM

Häufige Fragen zu XCP-ng

Beide nutzen denselben Xen-Hypervisor und XAPI-Toolstack. XCP-ng ist der quelloffene Fork ohne Feature-Paywall: Alle Funktionen sind frei. XenServer ist das kommerzielle Produkt mit Editionen und Lizenzierung. Bei XCP-ng verkauft der Hersteller Vates Support und eine fertige Appliance, sperrt aber keine Funktionen weg.

Ja, in der Variante „XO from sources“, die selbst aus dem Quellcode gebaut wird und alle Funktionen enthält. Daneben gibt es die XOA-Appliance von Vates: vorkonfiguriert, mit Updater und kommerziellem Support. Der Unterschied ist das Support- und Wartungsmodell, nicht der Funktionsumfang.

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